Was ist Gestalttherapie?

„Nein, dabei geht es nicht um Töpfern“. Gestalttherapie gibt es schon seit der Mitte des letzten Jahrhunderts, aber viele verwechseln sie mit der Gestaltungs- oder Kreativtherapie.

Bei „Gestalt“ handelt es sich im Wesentlichen nicht um eine bestimmte Methode, sondern um eine therapeutische Grundhaltung. Es wird von einem lebenslangen Wachstumsprozess ausgegangen, und davon, dass jeder Mensch grundsätzlich das Potential zu und das Bedürfnis nach geistig-seelischer Gesundheit, Wachstum und kreativen Lösungen hat.

In der Gestalttherapie wird weniger „darüber geredet“, weder interpretiert noch analysiert. Die Arbeitsweise legt viel Wert auf die Wahrnehmung von Körperempfindung und den aktiven Ausdruck von Impulsen mit dem ganzen Körper und der Stimme. Dazu lädt der Therapeut* den Klienten immer wieder ein. So kommen unbewusst im Körper festgehaltene Gefühle wieder in Bewegung und psychosomatische Beschwerden bzw. Muskelverspannungen können sich lösen.

Entscheidend ist die dialogische Haltung des Gestalttherapeuten. Er tritt dem Klienten nicht als überlegener Experte gegenüber. Er begegnet ihm vielmehr als persönlich erkennbarer Mensch, der ihn mit Interesse und Engagement auf seiner Entdeckungsreise begleitet. Der Therapeut unterstützt den Klienten dabei, den eigenen Wunsch nach Veränderung herauszuarbeiten. Gleichzeitig konfrontiert er den Klienten damit, wie er sich davon abhält konkrete Schritte zu tun. Der Therapeut meldet dem Klienten zurück, wenn er aus dem fühlenden Kontakt geht und begleitet ihn emphatisch durch alle Tiefen und Höhen des emotionalen und körperlichen Prozesses.

Ein wesentliches Ziel der Gestalttherapie ist, dass der Therapeut den Klienten dabei unterstützt, wieder mehr in Kontakt mit sich selbst zu kommen, mehr Bewusstheit von sich zu erlangen, damit er wieder spüren kann, wer er ist. Mit zunehmendem Gewahr-Sein seiner Selbst, kann der Klient mehr und mehr Verantwortung für sich und seine Sicht auf die Welt übernehmen. Durch das Anerkennen, von dem was ist, kann das bisherige Verhaltensmuster sich verändern. Durch die aktive Einbeziehung des Körpers entfaltet der Klient die Kraft und die Klarheit diese Veränderungen im Alltag spontan umzusetzen.

„Was ist, darf sein. Was sein darf, kann sich verändern.“ (Werner Bock)

*aus praktischen Gründen verwende ich ausschließlich die männliche Form. Ich bitte alle Menschen, sich miteinbezogen zu fühlen.